Aufgrund der begrenzten Kapazitäten an der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried (SFSG), an der entsprechende Lehrgänge nur in eingeschränkter Anzahl angeboten werden, entstand die Notwendigkeit, eine eigene, ergänzende Ausbildung auf Landkreisebene zu schaffen. Diese wichtige Aufgabe wurde durch Kreisbrandmeister (KBM) Aulinger sowie Kerstin Poschinger von der Freiwilligen Feuerwehr Ruderting initiiert. Mit großem Engagement und fachlicher Kompetenz haben sie den Grundstein für eine praxisnahe und zukunftsorientierte Ausbildung gelegt.
Ziel der PEER-Ausbildung ist es, Einsatzkräfte darauf vorzubereiten, Kameradinnen und Kameraden nach belastenden Einsätzen professionell zu unterstützen. Dabei geht es nicht um Therapie, sondern um frühzeitige Stabilisierung, das Erkennen von Belastungsreaktionen sowie die Förderung gesunder Bewältigungsstrategien. Die Teilnehmenden lernen, wie sie Gespräche führen, Betroffene begleiten und bei Bedarf weitere Hilfsangebote vermitteln können.
Ein zentraler Bestandteil der Ausbildung ist das Verständnis von Stress und dessen Auswirkungen. Stress ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf außergewöhnliche Belastungen und dient ursprünglich dazu, in Gefahrensituationen schnell reagieren zu können. Gerade im Einsatzgeschehen – etwa bei schweren Unfällen, Bränden mit Todesfolge oder Einsätzen mit Kindern – kann diese Reaktion jedoch besonders intensiv ausfallen. Symptome wie Zittern, Konzentrationsprobleme, emotionale Taubheit oder Schlafstörungen sind dabei keine Seltenheit, sondern normale Reaktionen auf unnormale Ereignisse.
Die angehenden PEERS lernen, zwischen verschiedenen Phasen der Belastung zu unterscheiden: von der akuten Stressreaktion über die akute Belastungsreaktion bis hin zu möglichen Langzeitfolgen wie einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Besonderes Augenmerk wird darauf gelegt, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu handeln.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den sogenannten Bewältigungsstrategien. Hier wird zwischen schützenden und öffnenden Strategien unterschieden. Während Humor, Kameradschaft oder Ablenkung kurzfristig entlasten können, ist es langfristig wichtig, belastende Erlebnisse aktiv zu verarbeiten – etwa durch Gespräche, Bewegung oder strukturierte Nachbesprechungen.
In diesem Zusammenhang werden auch konkrete Maßnahmen wie Defusing und Debriefing vermittelt. Das Defusing stellt eine zeitnahe Kurzbesprechung nach dem Einsatz dar, bei der erste Eindrücke geschildert und normalisiert werden. Das Debriefing hingegen ist eine intensivere Nachbesprechung, bei der das Erlebte strukturiert aufgearbeitet wird. Beide Methoden dienen dazu, die psychische Gesundheit der Einsatzkräfte zu schützen und ihre Einsatzfähigkeit langfristig zu erhalten.
Praxisnahe Fallbeispiele sind ebenfalls Bestandteil der Ausbildung. Diese zeigen eindrücklich, wie unterschiedlich Einsatzkräfte auf belastende Situationen reagieren können – etwa wenn eine Person trotz aller Bemühungen verstirbt, ein Kind bei einem Verkehrsunfall ums Leben kommt oder ein Beteiligter persönlich bekannt ist. Solche Szenarien verdeutlichen die Notwendigkeit einer guten Vorbereitung und eines funktionierenden Unterstützungssystems innerhalb der Feuerwehr.
Die Initiative von KBM Aulinger und Kerstin Poschinger ist ein wichtiger Schritt, um diese Lücke zu schließen. Durch die eigene Ausbildung im Landkreis Passau können mehr Einsatzkräfte geschult und somit besser auf die psychischen Herausforderungen ihres Dienstes vorbereitet werden. Gleichzeitig wird die Kameradschaft gestärkt und ein offener Umgang mit Belastungen gefördert.
Abschließend lässt sich festhalten, dass die Ausbildung von PEERS ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Gefahrenabwehr ist. Sie trägt maßgeblich dazu bei, die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Einsatzkräfte zu sichern. Das Engagement der Verantwortlichen im Landkreis Passau verdient daher besondere Anerkennung und kann als Vorbild für andere Regionen dienen.
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